Liebe Kinder, Liebe Erwachsene!
Christine, Katrin, Bianca und ich wohnen in Hessisch Oldendorf. Wir gehören zum Kirchenvorstand und wünschen uns Gottesdienste, in denen sich möglichst viele Menschen wohlfühlen: Kleine, große, junge, alte, starke, schwache, kranke, gesunde, dicke und dünne Leute.
Wir hatten uns so sehr auf Ostermontag gefreut! Da wollten uns Gilbert und Johanna besuchen. Ihr seht sie oben auf dem Bild. Die beiden wohnen in der Stadt Herne.
Gilbert sitzt oftmals im Rollstuhl, weil er schon als Baby sehr krank war. Er kann nur wenige Schritte gehen, wenn ihm niemand hilft. Aber zum Glück gibt es Menschen wie Johanna…
Johanna ist eine gute Freundin von ihm, die ihm auch gerne hilft. Sie begleitet ihn manchmal, wenn er irgendwo hinkommen möchte.
Christine, Katrin, Bianca und ich wurden im Januar von Gilbert und Johanna besucht. Wir haben sie gefragt: „Was kann man tun, damit sich mehr Menschen in unserer Kirche wohlfühlen?“
Für diese Frage sind Johanna und Gilbert richtige Spezialisten. Johanna ist 28 Jahre alt und eine Heilpädagogin (inzwischen heißt das offiziell „Inklusivpädagogin“), das hat etwas mit Erziehung und Heilung zu tun. Gilbert ist 32 Jahre alt und ein Bürokaufmann. Er hat außerdem Gemeindepädagogik studiert. Beide waren dabei, als in der Stadt Herne ein Verein gegründet wurde, der sich um Menschen kümmert, die nicht wie andere zur Kirche gehen können. Manche von ihnen können nicht so gut hören und verstehen wenig von den Predigten und Gebeten. Andere können nicht so gut sehen und können die Buchstaben im Gesangbuch nicht erkennen. Manche können sich nicht so gut komplizierte Sätze merken und verstehen nicht, was der Pastor vorliest. Und manche sitzen eben im Rollstuhl und können keine Kirchen betreten, in denen es Treppen am Eingang gibt.
Gilbert und Johanna haben uns erklärt, dass es sehr schwer ist, es allen Menschen recht zu machen. Das kann wahrscheinlich nur Gott! Aber wir können versuchen, in besonderen Gottesdiensten auch besondere Menschen anzusprechen. Es ist wichtig, dass wir das tun. Jesus hat das nämlich auch gemacht…
Am Ostermontag hätten wir euch die beiden gerne im Gottesdienst vorgestellt. Wir wollten eine Holzbrücke über die Treppenstufen bauen, damit Gilbert mit seinem Rollstuhl bis vor den Altar fahren kann. Dann hätten uns Gilbert und Johanna erzählt, wie man mit ganz unterschiedlichen „besonderen“ Leuten einen Gottesdienst feiern kann…
Schade, dass wir den Gottesdienst absagen mussten. Es gibt zurzeit diese Corona-Krankheit, die sehr gefährlich ist. Und wenn Menschen sich versammeln, kann sie sich schnell ausbreiten. Das wollen wir nicht und deshalb haben wir den Gottesdienst abgesagt.
Aber wir wollen mal ein kleines Beispiel zeigen, wie man Menschen helfen kann, denen die Sprache im Gottesdienst zu kompliziert ist. Hört doch mal, wie Johanna denen die Ostergeschichte vorgelesen hätte (und weil ich Musik so gerne mag, spiele ich euch mein Lieblingsosterlied vor):

Die Ostergeschichte aus dem Lukasevangelium

Das ist so eine wundervolle Geschichte! Und jeder kennt das doch, dass man etwas Wundervolles erzählen möchte und andere glauben einem nicht. Die sagen: "Du spinnst!“
Und so ist das auch, wenn man versuchen möchte, Gottesdienste mal anders zu gestalten. Wir wünschen uns, dass es Gottesdienste gibt, in denen sich ganz viele Menschen wohlfühlen können. Und manche sagen dann: „Ihr spinnt! Man darf Gottesdienste nicht verändern. Sie sollen immer so bleiben, wie sie schon immer waren.“
Aber das stimmt nicht! Christine, Katrin, Bianca und ich werden trotzdem Gottesdienste für ganz besondere Menschen vorbereiten. Und wir werden Gilbert und Johanna auf alle Fälle einladen. Zum Beispiel am Reformationstag, am 31. Oktober.
Wir freuen uns darauf
Und rufen zu allen Menschen: „Frohe Ostern! Jesus ist auferstanden und hilft uns, Wundervolles zu machen!“
Christine, Katrin, Bianca und
Euer Michael


Übrigens: Der Verein, in dem Gilbert und Johanna arbeiten, heißt Servicestelle für persönliche Assistenz und Selbstbestimmung. Er stellt viele Materialien kostenlos zur Verfügung. Was da sonst noch geschieht, kann man auf der Homepage nachlesen: spas.life.
Wer den Verein durch eine Spende unterstützen möchte, überweist sie bitte an:
IBAN: DE95 4506 0009 0016 5497 00.