Zum Hauptinhalt springen

Michael fastet in diesem Jahr

Ich habe mich entschieden, liebe Gemeinde, zum zweiten Mal in meinem Leben zu fasten. Auf die Idee kam ich am Sonntag vor der Passionszeit (14. Februar), als wir uns während der Andacht Gedanken machten, wie Gott wohl über das Fasten denken mag (wer die Andacht nachlesen möchte: hier klicken).

Zunächst habe ich darüber nachgedacht, was mich zurzeit am meisten an mir selbst stört. Das will ich kurz beschreiben: Ich stelle fest, dass in meiner Umgebung, im Fernsehen und in der Presse fast nur noch gemeckert, geschimpft und gemotzt wird. Die einen regen sich auf, weil nicht genügend Impfstoff vorhanden sei, um innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt zu impfen - und wenn nicht die ganze Welt, dann wenigstens Europa... oder wenigstens Deutschland... oder wenigstens Niedersachsen... oder wenigstens - mich? "Germany first!" rufen Millionen Deutsch-Trumps, als wären wir allein auf der Welt. Die anderen regen sich auf, weil nicht alle, die sich impfen lassen könnten, dieses auch wollen. Und ganz schlimm: Da wurde irgendwo jemand geimpft, der noch gar nicht an der Reihe war. Wie konnte er nur?... Der muss doch bestraft werden! Irgendjemand ist mit seiner Ehefrau und seinen Eltern spazierengegangen? Das ist doch verboten! Man darf nur mit einer Person spazierengehen, die nicht zum eigenen Hausstand gehört... Überall hört man: Die Politiker machen alles falsch, die Virologen wollen die Wirtschaft zerstören, die Unternehmer denken nur an ihren Profit...

Und was habe ich damit zu tun? Ich merke, dass ich mich oftmals von dieser Meckerei anstecken lasse. Sobald mir das bewusst wird, tut es mir auch schon leid. Deshalb habe ich beschlossen: Ich will in diesem Jahr fasten, indem ich auf das Meckern und Motzen verzichte. Ich schreibe das hier in aller Öffentlichkeit, damit mich möglichst viele an mein Fasten erinnern, wenn ich es brechen sollte. Mir ist bewusst, dass dieses geschehen wird - aus Gedankenlosigkeit, Vergesslichkeit oder aus Lust am Stänkern. Deshalb bitte ich um Unterstützung: Geben Sie Bescheid, wenn Sie mich auf frischer Tat ertappen.

Ihr Michael Hensel